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Colitis ulcerosa (CU)Update der ECCO-Empfehlungen zur medikamentösen Therapie der Colitis ulcerosa

02.09.2026Ausgabe 4/20263min. Lesedauer

Die European Crohn’s and Colitis Organisation (ECCO) hat ihre Empfehlungen zur medikamentösen Therapie der CU erneuert. Das Panel von 42 Experten liefert auf 28 Seiten insgesamt 47 Empfehlungen und 11 Praxistipps, basierend auf Evidenzen aus publizierten Studien, die bei der Wahl der bestmöglichen CU-Therapie helfen können. Die Auswahl orientiert sich an Krankheitsschwere und individuellen Gesichtspunkten. Die ECCO-Guideline 2026 verabschiedet sich weiter von einem starren Step-up-Ansatz. Biologika werden zunehmend als konventioneller Bestandteil des UC-Managements betrachtet, und die Zahl der leitliniengestützten Advanced-Therapy-Optionen wurde deutlich erweitert.

Als wichtigstes Ziel der CU-Therapie nennen die Experten den Erhalt der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und das Verhindern körperlicher Beeinträchtigungen. Um dies zu erreichen, sollte nicht nur auf rasche Symptomkontrolle fokussiert werden, sondern auch auf das Erreichen einer endoskopischen Remission. Hier die wichtigsten Empfehlungen.

A: mild bis moderat aktive CU

  • Orale 5-Aminosalycilate (5-ASA, ≥2 g/Tag) werden bei mild/moderat aktiver CU zur Induktion einer Remission empfohlen. Bei Patienten mit aktiver CU und ausgedehnter Proktosigmoiditis sollte bevorzugt orales 5-ASA in Kombination mit rektalem 5-ASA (≥1 g/Tag) eingesetzt werden. Bei Patienten mit aktiver Proktosigmoiditis wird zur Induktion einer Remission zum Einsatz einer rektalen 5-ASA-Monotherapie (≥1 g/Tag) geraten.
  • Bei Patienten mit mild/moderater Proktosigmoiditis sind rektale Kortikosteroide (v. a. der 2. Generation wie im Darm freigesetztes Budesonid) eine Alternative. Rektale 5-ASA-Präparate sollten aber bevorzugt werden, da sie auch für die Erhaltungstherapie geeignet sind und das günstigere Sicherheitsprofil bieten. Eine Kombination beider Substanzklassen wird in der Routine nicht empfohlen.
  • Eine Monotherapie mit Thiopurinen wird zur Induktion einer Remission bei aktiver CU nicht empfohlen.
  • Zur Erhaltung einer Remission wird bei mild/moderater CU orales 5-ASA empfohlen, bei Proktosigmoiditis rektales 5-ASA. Alternative bei Patienten < 65 Jahren: eine Monotherapie mit Thiopurinen.
  • Bei Pat. mit aktiver CU, bei denen eine fortgeschrittene Therapie begonnen wird, sollte ein Absetzen von oralem 5-ASA erwogen werden.

B: moderat bis schwer aktive CU

  • Bei ambulanten Patienten wird zur Induktion einer Remission kurzfristig orales Prednisolon empfohlen.
  • Bei moderat/schwer aktiver CU kommen zur Induktion einer Remission und zur Erhaltungstherapie alle zur Verfügung stehenden Biologika (TNFi, Vedolizumab, Ustekinumab, Mirikizumab, Risankizumab, Guselkumab) und small molecules (Tofacitinib, Filgotinib, Upadacitinib, Ozanimod, Etrasimod) infrage. Die Wahl der Therapie der 1. Wahl sollte nach individuellen Gesichtspunkten erfolgen. Es gebe lediglich Hinweise dafür, dass Vedolizumab im Vergleich zu Adalimumab bevorzugt werden sollte, so die Taskforce.
  • Beim Einsatz von Infliximab wird sowohl zur Induktions- als auch zur Erhaltungstherapie gleichrangig eine Monotherapie oder eine Kombination mit Thiopurinen empfohlen. Bei Adalimumab wird zur Induktion einer Remission eine Monotherapie empfohlen. Unklar ist, ob in der Erhaltungstherapie eine Kombination mit einem Thiopurin vorteilhaft ist.
  • Zur Kombination fortgeschrittener Therapien fehlen die Evidenzen.
  • Auch eine fäkale Mikrobiota-Transplantation wird derzeit nicht formell empfohlen.

C: akute schwere CU

  • Bei stationären Patienten mit akuter schwerer CU (ASUC) werden zur Induktion einer Remission first-line i. v. Kortikosteroide empfohlen. Ein zusätzlicher Einsatz von oralem 5-ASA wird nicht empfohlen. Bei Patienten, die auf i. v. Kortikosteroide ansprechen, wird zur Erhaltungstherapie der Einsatz von Infliximab plus Azathioprin favorisiert. Nur Thiopurine oder 5-ASA werden nicht empfohlen.
  • Als Rescue-Therapie bei Patienten mit Steroid-refraktärem ASUC werden Cyclosporin oder Infliximab empfohlen. Als Alternative kommen Januskinase-Inhibitoren infrage, in der 3. Linie bei ausgewählten Patienten auch ein Calcineurin-Inhibitor.

Allgemeine Empfehlungen

Die Taskforce betont die Bedeutung einer Treat-to-Target-Strategie beim CU-Management. Wichtig seien ein rascher Therapiebeginn und eine multidisziplinäre Versorgung der Patienten, unterstützt u. a. durch psychologische und ernährungsmedizinische Maßnahmen.

Quelle

  • Gisbert JP et al. ECCO Guidelines on Therapeutics in Ulcerative Colitis: Medical Treatment. Journal of Crohn‘s and Colitis 2026; 20(7): jjag066. doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjag066

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