Kohortenstudie in NorwegenFatigue – großteils unabhängig von Remission einer CED
Fatigue ist ein häufiges gesundheitliches Problem sowohl bei Patienten mit Colitis ulcerosa (CU) als auch mit Morbus Crohn (MC) und hält bei vielen Betroffenen selbst in Remission an. In einer norwegischen Kohortenstudie bei 711 neu diagnostizierten CED-Patienten (CU: n=471, MC: n=240) hatten von den Studienteilnehmern in Remission ein Jahr nach Krankheitsdiagnose 45%–55% eine substanzielle und 25%–35% eine chronische Fatigue, abhängig von der Definition der Remission. In der Studie wurde untersucht, inwieweit die Definition einer Remission Einfluss auf das Fatiguerisiko hatte.
Patienten in symptomatischer Remission (MC: Harvey-Bradshaw Index (HBI) < 5; CU: Simple Clinical Colitis Activity Index (SCCAI) < 3) hatten beim 1-Jahres-Follow-up im Vergleich zu Patienten mit aktiver Erkrankung die stärkste Risikoreduktion für eine substanzielle Fatigue (SF: Fatigue Questionnaire Score ≥ 4) und eine chronische Fatigue (CF: SF ≥ 6 Monate):
- MC: Odds Ratio (OR) = 0,19 (95% CI [0,08; 0,46] für SF und OR = 0,49 (95% CI [0,24; 0,99]) für CF;
- UC: OR = 0,20 (95% CI [0,11; 0,34]) bzw. 0,39 (95% CI [0,24; 0,62]).
Eine biochemische Remission (fäkales Calprotectin ≤ 250 µg/g) erwies sich ebenfalls als günstiger Einflussfaktor, war aber nur bei CU-Patienten mit einem signifikant verringerten Risiko für eine substanzielle Fatigue assoziiert (OR = 0,52, 95% CI [0,31; 0,90]).
Die weiteren untersuchten Remissions-Endpunkte – endoskopische/radiologische Remission (keine sichtbare Entzündung bzw. keine Auffälligkeiten beim intestinalen MRT/CT) und histologische Remission (keine pathologischen Auffälligkeiten in Biopsien aus dem Gastrointestinaltrakt) korrelierten in keiner Patientengruppe mit einem signifikant verringerten Fatigue Risiko.
Die norwegischen Wissenschaftler fanden in der Multivarianz-Analyse bei Patienten mit endoskopischer/radiologischer Remission Risikofaktoren für eine Fatigue. Schlafstörungen (Pittsburgh Sleep Quality Index > 5) waren mit einem deutlich erhöhten Risiko einer CF verbunden (OR = 10,40, 95% CI [3,28; 32,99], p < 0,001).
Als unabhängiger CF-Prädiktor erwies sich auch eine aktuelle Therapie mit Infliximab (OR = 4,31, 95% CI [1,15; 16,17], p = 0,03), während Adalimumab, Immunsuppressiva (Azathioprin, Methotrexat), Steroide und Antibiotika keinen Einfluss hatten.
Bei aktiver CED korrelierten Depressionen, Schmerzintensität sowie Zusammenleben in einer Partnerschaft mit einem erhöhten CF-Risiko. Eine anhaltende Entzündungsaktivität bei CED scheint für eine Fatigue von geringerer Relevanz zu sein als gedacht, so die Autoren.
- Holten KA et al. Fatigue in Patients with Inflammatory Bowel Disease in Remission One Year After Diagnosis. Journal of Crohn‘s and Colitis 2024, jjae170. doi.org/10.1093/ecco-jcc/jjae170
(ID:50325287)
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