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Morbus Crohn (MC)Meta-Analyse zur Placebo-Response in Biologika-Studien

24.11.2025Ausgabe 5/20252min. Lesedauer

Der Placebo-Effekt ist in kontrollierten klinischen Arzneimittelstudien höchst relevant, aber aufgrund seiner Komplexität schwer einzuschätzen. Das verdeutlichen die Ergebnisse einer Meta-Analyse von Placebo-kontrollierten Studien zur Wirksamkeit von Biologika bei moderatem bis schwerem MC mit individuellen Patienten-bezogenen Daten. Sie zeigen, dass neben dem „echten“ Placebo-Effekt, der mit Umgebungs- und psychosozialen Faktoren erklärt wird, viele weitere Faktoren wie Phänotyp der Erkrankung, Krankheitsschwere sowie vorausgegangene und begleitende Therapien die Placebo-Response beeinflussen.

Ausgewertet wurden insgesamt 9 Placebo-kontrollierte, randomisierte klinische Biologika-Studien bei fortgeschrittenem MC sowohl zur Induktionstherapie (n=1.147) als auch zur Erhaltungstherapie (n=524). In der Induktionsphase erreichten in der Placebo-Gruppe insgesamt 27% (95% CI 23–32%) der Patienten ein klinisches Ansprechen und 10% (95% CI 8–14%) eine Remission. In der Erhaltungsphase lagen die Ansprechraten bei 32% (95% CI 23–42%) und die Remissionsraten bei 22% (95% CI 14–33%). Bei Biologika-naiven Patienten war die Placebo-Response etwas höher als bei Biologika-erfahrenen Patienten, vor allem in der Erhaltungsphase. Die gepoolte Placebo-Response war am niedrigsten bei Definition eines Ansprechens mit Abnahme des CDAI-Basisscores ≥ 100 Punkte und am höchsten bei Selbsteinschätzung der Patienten (Abnahme des Patient-Report-Outcome [PRO] -2-Scores ≥ 5 Punkte). Remissionen waren in der Placebogruppe nach der Definition „Stuhlfrequenz-Score ≤ 1,5 und Abdominalschmerz-Score ≤ 1“ selten (Raten: 1% in der Induktions-, 5% in der Erhaltungsphase).

Zudem hatten viele individuelle Patientenfaktoren Einfluss auf die Placebo-Response:

  • Höhere Werte an C-reaktivem Protein zu Beginn korrelierten mit niedrigeren Placebo-Raten, während
  • höhere Albuminkonzentrationen und ein höherer Body-Mass-Index mit höheren Ansprechraten einhergingen.
  • Ein höherer Crohn’s Disease Activity Index (CDAI) und ein höherer PRO-2-Score zu Beginn korrelierten mit einem geringeren Placebo-Ansprechen in der Induktionsphase, aber einem höheren in der Erhaltungsphase, und geringeren Remissionsraten.

Die Daten der Meta-Analyse könnten künftig bei der Planung von CED-Studien helfen, so die Autoren.

Quelle
  • Solitano V et al. Placebo Rates in Crohn’s Disease Randomized Clinical Trials: An Individual Patient Data Meta-analysis. Inflamm Bowel Dis 2025; 168(2): 344-356.

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